Jusos Chemnitz zeigen Gesicht gegen Naziaufmarsch am 5.März
10.04.2010
Schon seit mehreren Jahren missbrauchen verschiedene Gruppen aus dem rechten Spektrum den 5.März, um ihre menschenverachtenden Einstellungen zu verbreiten.
Stefan Kraatz, JuSo Vorstand
Vereine, Parteien, Initiativen und viele Chemnitzer Bürgerinnen und Bürgerinnen standen am 5.März folglich vor der Herausforderung, engagiert Gesicht gegen Rechts zu zeigen. Das „Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz – Kein Platz für Nazis!“ startete einen Aufruf an die Chemnitzer Bevölkerung. Gegen die angemeldete NPD-Demonstration wurde zu einer zentralen Kundgebung auf dem Theaterplatz eingeladen. Gleichzeitig fanden aber auch an anderen Orten Veranstaltungen statt, nach dem Motto: Wo wir sind, ist kein Platz für Nazis.
Die Jusos Chemnitz beteiligten sich an 3 Standorten an den Aktionen des Bündnisses: Am Internat an der Bernsdorfer Straße waren wir mit einem Infostand vertreten und am Rosenplatz unterstützen wir die Stände von Endstation Rechts sowie den Container der Initiative Mitte gegen Rechts. Und viele von uns fanden sich auch dem Theaterplatz ein. Dort versammelten sich 1500 bis 2000 Chemnitzerinnen und Chemnitzer, die deutlich machten, dass diese Stadt Nazis satt hat, unter ihnen auch zahlreiche Mitglieder der Chemnitzer SPD. Mit einem anschließenden spontanen Zug in die Georgstraße konnte dann auch erreicht werden, dass der NPD-Demonstration ein gutes Stück Wegstrecke versperrt war. Trotz bitterer Kälte harrten die Menschen stundenlang aus.
Was bleibt von diesem 5.März festzuhalten?
Erst einmal ist es ein Erfolg, dass trotz einer sehr kurzfristigen Mobilisierung so viele Bürgerinnen und Bürger den Weg auf den Theaterplatz gefunden haben und sich auch anschließend den Nazis in den Weg stellten. Verglichen mit anderen Ereignissen, wie dem 13.Februar in Dresden, für den schon ein halbes Jahr im Voraus mobilisiert und wohin es zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure aus der ganzen Republik zieht, kann es sich in der Tat sehen lassen, was in Chemnitz in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurde.
Auch kann erfreulicherweise festgehalten werden, dass Bernsdorf dieses Jahr zum ersten Mal seit längerer Zeit frei von Nazis war (mal abgesehen von deren Fototeams). Deshalb ist auch vor all jenen der Hut zu ziehen, die an den dortigen Veranstaltungsorten die Stellung hielten, obwohl sie sicher auch gern auf der zentralen Kundgebung teilgenommen hätten.
Festzuhalten ist aber auch, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Antifa-Demonstration von der Polizei am Hauptbahnhof festgehalten wurden. Sie konnten also weder ihre angemeldete und genehmigte Demonstration durchführen noch die Veranstaltung am Theaterplatz besuchen.
Und auf gar keinem Fall darf vergessen werden, dass eine andere Demonstration dagegen durchgesetzt wurde. So konnten die Nazis ihre Demonstration, wenn auch ein wenig verkürzt, durchziehen und mit immerhin 400-600 Teilnehmern rund um den Hauptbahnhof marschieren.
Trotz dieses bitteren Beigeschmacks finden die Jusos Chemnitz, dass die Stadt Chemnitz und ihre Bürgerinnen und Bürger es als Erfolg verbuchen können, dass sich so viele Menschen am 5.März auf die Straße begeben haben und an den verschiedenen Orten gezeigt haben, dass in dieser Stadt kein Platz für Nazis ist. Und das sollte auch für das nächste Jahr als Motivation mitgenommen werden.
Bilder aus Bernsdorf und vom Theaterplatz gibt es hier.
