SPD, CDU und Linke machen den Weg für CFC-Stadionumbau frei
06.10.2011
Der Stadtrat stimmt mit deutlicher Mehrheit für ein neues Stadion an der Gellertstraße
Notwendig ist der Umbau, weil sich die bisherige Spielstätte des CFC aus dem Jahr 1934 in einem sehr maroden baulichen Zustand befindet. Der Spielbetrieb in der dritten Liga kann derzeit nur durch eine Ausnahmegenehmigung des DFB stattfinden, da diverse Auflagen (Anzahl der Sitzplätze, Überdachung, Sanitäranlagen, Rettungswege, Sicherheitsanforderungen, TV-Übertragungstechnik etc.) nicht erfüllt sind. Die Genehmigung gilt bis Sommer nächsten Jahres. Um die Minimalanforderungen des DFB an ein Stadion der dritten Liga zu erfüllen, wären Investitionen von rund 2,5 Mio. Euro erforderlich gewesen. Eine wesentliche Verbesserung der Bedingungen für Gäste und Spieler wäre aufgrund des desolaten Zustandes damit jedoch nicht möglich gewesen. Hinzu kommt, dass die Auflagen des DFB in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sind und eine weitere Verschärfung nicht ausgeschlossen werden kann. Die Stadt und der CFC hätten sich mit dieser „Minimalvariante" also im besten Fall nur Zeit, aber keine dauerhafte Lösung erkaufen können.
Das neue Stadion soll zweitligatauglich sein, über 6.170 Steh- und 7.900 Sitzplätze (davon 24 Behindertenplätze), einen Familienblock, 16 Logen und 770 Business-Seats verfügen. Die Zuschauerbereiche werden komplett überdacht sein. Neu errichtet werden außerdem die Flutlichtanlage, eine elektronische Anzeigentafel und die Beschallungsanlage. Mit einem speziellen Energiekonzept inklusive einer entsprechenden Dachkonstruktion soll es zudem besonders energieeffizient betrieben werden.

Bild: Chemnitzer FC
Der Umbau des Stadions soll im Sommer 2012 beginnen, bei laufendem Spielbetrieb durchgeführt werden und bis 2013 abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten des Projektes einschließlich der Planungs- und Abrissarbeiten sowie notwendiger Grundstückskäufe wurden durch den Stadtratsbeschluss auf 25 Mio. Euro begrenzt. Als Bauherr tritt die Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft mbH, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, auf. Sie wird das Stadion nach Abschluss der Arbeiten an die Stadt vermieten, diese wiederum verpachtet es an den CFC weiter.
Die Diskussion im Stadtrat verlief größtenteils sehr sachlich, was bei so einem emotionalen Thema sicher nicht selbstverständlich ist.
Die Stadionbefürworter argumentierten mit der Bedeutung des Vorhabens für den Chemnitzer Sport insgesamt, der Imageverbesserung für die Stadt durch die bundesweite Übertragung der CFC-Heimspiele, den besseren Vermarktungsmöglichkeiten, welche wiederum zu höheren Einnahmen des Clubs führen und nicht zuletzt mit den zu erwartenden steigenden Besucherzahlen, die ein Neubau des Stadions mit sich bringen würden.
Für die Gegner der Stadionumbaus waren es vor allem die fehlenden Aussagen zur Finanzierung des Projektes, die angespannte Haushaltslage der Stadt - erst im Januar wurde ein mehrjähriges Konsolidierungskonzept mit teilweise deutlichen Einschnitten bei freiwilligen Aufgaben und einem umfangreichen Personalabbau beschlossen - und der große Sanierungsrückstau bei öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kindertageseinrichtung, der städtischen Musikschule oder dem Tierpark, welche gegen den Verwaltungsvorschlag sprachen. Einige Stadtratsmitglieder sahen in dem Projekt sogar eine „Wahlkampfhilfe" für die im Jahr 2013 anstehende Oberbürgermeister-Wahl und warfen OB Barbara Ludwig (SPD) ein ausschließlich persönliches Interesse an dem Projekt vor.
Auf allgemeine Kritik stieß die fehlende Unterstützung des Vorhabens durch den Freistaat Sachsen. Denn anders als beispielsweise im benachbarten Thüringen - in Jena und Erfurt werden neue Stadien mit Landesmitteln und städtischen Zuschüssen finanziert - beteiligt sich das Land mit dem Hinweis, es handele sich nicht um eine Angelegenheit des Breitensports, nicht an der Finanzierung des Vorhabens.
Insgesamt gingen die Meinungen zum neuen Stadion quer durch fast alle Fraktionen auseinander. Gab es nach der Vorstellung des Vorschlages über die Parteigrenzen hinweg zunächst große Zurückhaltung und vereinzelt kritische Stimmen, so wuchs die Zahl der Befürworter in den Wochen vor der Abstimmung von Tag zu Tag an.
Dazu beigetragen haben neben den Gesprächen zwischen dem Verein, der GGG mbH und den Fraktionen, die Besichtigung der Spielstätte und der mittlerweile weit über Chemnitz hinaus diskutierten Pläne sicher auch die vielen Zuschriften und die mehr als 22.500 Unterschriften, welche die Stadionbefürworter innerhalb von vier Wochen gesammelt hatten.
Zum Vergleich: Für die Durchführung eines Bürgerentscheids sind in Chemnitz rund 10.000 Stimmen erforderlich. Diese Zahl wurde in den vergangenen Jahren weder beim Bürgerbegehren gegen die Stadtwerkefusion noch bei dem des Kreis- und Stadtelternrates gegen die Neugliederung der Chemnitzer Grundschulbezirke erreicht.

Bild: Chemnitzer FC/Peggy Schellenberger
Mit einem gemeinsamen Änderungsantrag von SPD, CDU und Linken zum Verwaltungsvorschlag konnten quasi noch in letzter Minute berechtigte Vorbehalte bei vielen bis dahin skeptischen Ratsmitgliedern ausgeräumt werden. Auch das macht deutlich, wie schwer die Entscheidung vielen Stadträtinnen und Stadträten gefallen ist.
Laut Beschluss zahlt die Stadt über einen Zeitraum bis zu 20 Jahren jährlich maximal zwei Mio. Euro an Pacht. Die konkrete Höhe richtet sich dabei nach der Laufzeit des Pachtvertrages und dem Umfang der Gesamtfinanzierungskosten.
Neben der genannten Kostenbegrenzung sichert der gemeinsame Beschluss die Mitsprache des Stadtrates bei der Entscheidung über die vertraglichen Grundlagen zwischen der Stadt, der GGG und dem CFC sowie eine umfangreiche Einbeziehung der Stadträte in das Bauvorhaben.
Darüber hinaus wurde mit dem Änderungsantrag festgelegt, dass trotz des Stadionprojekts die bisherige Prioritätensetzung im Haushalt - insbesondere bei der Sanierung von Kindertageseinrichtungen, Schulen und Sportstätten - beibehalten und der CFC seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entsprechend an der Finanzierung beteiligt wird. So soll der Club die Kosten für den Betrieb des neuen Stadions von Anfang an selbst finanzieren.
Im Pachtvertrag zwischen der Stadt und dem CFC wird außerdem eine Beteiligung des CFC an den Mietkosten festgeschrieben. Diese Beteiligung soll spätestens mit dem (mittelfristig angestrebten) Aufstieg in die zweite Fußball-Bundesliga erfolgen.
Am Ende stimmten unter großem Beifall der CFC-Fans auf dem Neumarkt namentlich jeweils 35 Stadtratsmitglieder für den Antrag, 19 Räte dagegen und zwei Ratsmitglieder enthielten sich der Stimme.
„Der Stadtrat hat mit seiner Entscheidung die materiellen Voraussetzungen für den Spielbetrieb in einem modernen Stadion ab 2013 geschaffen. Die sportlichen Erfolge müssen die Mannschaft, der Verein und die Fans des CFC gemeinsam liefern. Wir sind optimistisch, dass dies gelingt und drücken „unseren Himmelblauen" die Daumen." so der SPD-Fraktionsvorsitzende Axel Brückom.
Weitere Informationen und Hintergründe unter:
www.chemnitz.de/chemnitz/de/aktuelles/aktuellethemen/cfc/aktuellethemen_cfc_stadion.asp
www.chemnitzerfc.de/
www.neues-stadion-fuer-chemnitz.de/
So haben die einzelnen Stadtratsmitglieder abgestimmt
Diese Räte stimmten dafür
· Barbara Ludwig (OB, SPD)
· Axel Brückom (SPD-Fraktion)
· Eckehard Bauer (SPD-Fraktion)
· Heidi Becherer (SPD-Fraktion)
· Christoph Gericke (SPD-Fraktion)
· André Horváth (SPD-Fraktion)
· Wolfgang Kraneis (SPD-Fraktion)
· Klaus Möstl (SPD-Fraktion)
· Detlef Müller (SPD-Fraktion)
· Steffi Barthold (SPD-Fraktion)
· Hubert Gintschel (Linksfraktion)
· Jan Schulze (Linksfraktion)
· Hans-Joachim Siegel (Linksfraktion)
· Eberhard Langer (Linksfraktion)
· Thomas Scherzberg (Linksfraktion)
· Peter Neubert (Linksfraktion)
· Heiko Schinkitz (Linksfraktion)
· Ullrich Müller (CDU-Fraktion)
· Tino Fritzsche (CDU-Fraktion)
· Margitta Hochmuth (CDU-Fraktion)
· Joachim Höfler (CDU-Fraktion)
· Wolfgang Höhnel (CDU-Fraktion)
· Volkmar Schubert (CDU-Fraktion)
· Ines Saborowski-Richter (CDU)
· Gerhard Schultz (CDU-Fraktion)
· Hans-Peter Lohse (CDU-Fraktion)
· Falk Ulbrich (CDU-Fraktion)
· Michael Walter (CDU-Fraktion)
· Wolfgang Meyer (FDP-Fraktion)
· Gordon Tillmann (FDP-Fraktion)
· Bernd Reinshagen (FDP-Fraktion)
· Martin Kohlmann (Pro Chemnitz)
· Joachim Ziems (Pro Chemnitz)
· Benjamin Jahn (Pro Chemnitz)
· Katrin Köhler (NPD)
Diese Räte stimmten dagegen
· Jacqueline Drechsler (SPD-Fraktion)
· Yvonne Weber (Linksfraktion)
· Jörg Hopperdietzel (Linksfraktion)
· Verona Schinkitz (Linksfraktion)
· Sabine Pester (Linksfraktion)
· Susanne Schaper (Linksfraktion)
· Christian Kempe (CDU-Fraktion)
· Solveig Kempe (CDU-Fraktion)
· Jürgen Leistner (CDU-Fraktion)
· Almut Friederike Patt (CDU-Fraktion)
· Hendrik Haase (FDP-Fraktion)
· Wolfgang Lesch (FDP-Fraktion)
· Andreas Schmalfuß (FDP-Fraktion)
· Dieter Füßlein (FDP-Fraktion)
· Thomas Lehmann (Grüne)
· Petra Zais (Grüne)
· Martin Schmidt (Grüne)
· Kai Rösler (Grüne)
· Andreas Wolf (Volkssolidarität)
Diese Räte haben sich enthalten
· Peggy Szymenderski (SPD-Fraktion)
· Jürgen Konrad (FDP-Fraktion)
Diese Räte fehlten in der Sitzung
· Cornelia Knorr (SPD-Fraktion)
· Michael Wirth (SPD-Fraktion)
· Maik Otto (SPD-Fraktion)
· Christine Pastor (Linksfraktion)
· Karl-Friedrich Zais (Linksfraktion)
Quelle: Stadt Chemnitz
