City EL, Ein Fahrbericht und warum die Zukunft der Elektromobilität an der heimischen Steckdose entschieden werden könnte
Bei der Smiles AG in Aub (nähe Würzburg) gehört das Schnurren von Elektromotoren zu den Alltagsgeräuschen. Der fränkische Autobauer ist seit 20 Jahren Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Das Herzstück der Flotte ist kein 200 PS starker Bolide, sondern der etwa Zweimetersiebzig lange und 400 kg schwere City EL.
Das sparsamste Serienfahrzeug der Welt.
Aufgetankt wird hier für Zweieurofünfzig, zu Hause an der Steckdose. Automatikschaltung und aufklappbares Verdeck gibt’s serienmäßig. In Verbindung mit dem brandneuen Lithium-Batteriesystem entwickelt das 5,4 KW Aggregat erstaunliche Beschleunigungsqualitäten.
Aus dem mitleidigen Augenaufschlag des konventionellen Kreuzungsnachbarn, werden so ganz schnell erstaunte Blicke auf´s Rücklicht. Klar, dass damit vor allem ein Gefühl von Überlegenheit gegenüber dem dicken Benziner aufkommt.
Im Innenraum und Gestühl herrscht im City EL Formel Eins Romantik der siebziger Jahre. Verstärkt durch Starrachse, Sportlenkrad und Überrollbügel, verspricht das kleine Elektrowunder Fahrspaß pur.
Nicht ganz soviel Spaß und sogar große Sorgen habe ich, wenn ich an aktuelle Diskussionen rund um die Elektromobilität denke.
Man möchte meinen, dass hier das sprichwörtliche Fahrrad neu erfunden werden soll. Die Kanzlerin verspricht Millionen Förderung für die Fahrzeugentwicklung. Inwiefern sich dadurch die Zahl der wenigen tausend auf Deutschlands Straßen fahrenden Elektroautos wirklich erhöhen wird, bleibt fraglich. Ich habe eher den Eindruck, dass es mit den Forschungsmillionen bald mehr sogenannte Experten, als tatsächliche Elektrofahrzeuge auf den Straßen geben wird.
Besonders bemerkenswert finde ich, wie sich die Großindustrie von Rothe&Schwarz bis RWE mit ihrem neuen Begriff vom „Autostrom“ in Stellung bringt. Hier wird mit einer geschickten Strategie versucht, dem zukünftigen Verbraucher weiß zu machen: Der Strom für´s Auto sei ein anderer als der aus der heimischen Steckdose und man brauche für eine erfolgreiche Elektromobilität ein Netz von Schnellladesäulen, Abrechnungskarten und Rechenzentren. Geschäfte macht damit bestimmt nicht der Verbraucher, sondern die Stromriesen.
Mit der Schukosteckdose gibt es bereits ein perfektes System von Lademöglichkeiten,und das an jeder Ecke. Den Monopolisten bei den Stromriesen sei gesagt: „Die Zukunft der Elektromobilität liegt im erneuerbaren Strom aus der heimischen Steckdose und nicht im vermeintlichen Autostromsystem aus Ladesäulen!“
Gestützt wird dieses Argument auch von der Tatsache, dass die Stärke von Elektrofahrzeugen derzeit in ihrer Bedeutung als Regionalverkehrsmittel liegt.
Viel Erfolg wünsche ich darum dem seit Ende Juni auf dem Chemnitzer Brühl gestarteten Projekt: „Kraftzwerge, für´s Sachsendreieck“. An der Ecke Brühl/Elisenstraße, ist bis Ende Oktober ein Geschäft für Elektrofahrzeuge eingezogen. Die Chemnitzer sind hier eingeladen, Elektrofahrzeuge auf Herz und Niere auszuprobieren und zu testen.

