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MehrFlairfürChemnitz!

06.11.2011

Kommentar zum Hick-Hack um die Gebührenerhöhung für Außengastronomie in der Chemnitzer Innenstadt.

Mehr Flair auf dem Rathausplatz
[Foto Hennig]

Die neue Chemnitzer City versprüht großstädtisches Flair.

 

Die malerischen Gassen Rund ums historische Rathaus laden zum Bummeln, Shoppen und Schlemmen ein. Dank Stararchitekten wie Helmut Jahn und Hans Kollhof ist die neue Chemnitzer Mitte Touristenmagnet bis weit über die sächsischen Grenzen hinaus.

 

Auf den ausladenden Wiesen der Chemnitz (gleichnamiger Fluss) pilgern Familien zum sonntäglichen Picknick. Einen der schönsten Ausblicke auf das neue entstandene Ensemble genießt, wer sich in die Schlange am Turm des „Alten Rathauses“ anstellt und von einem der „Türmer“(mittelalt. Bez. f. Turmwächter) bis ganz nach oben geführt wird.

 

Gerade an Wochenenden strömen tausende Besucher ins Zentrum der Metropole am Fuße des Erzgebirges. Auf der Flaniermeile zwischen Rotem Turm und Jakobikirchplatz findet sich meist nur schwer ein Freisitz in den vielen Kaffees und Restaurants. Dem auswärtigen Besucher ist darum eine rechtzeitige Reservierung zu empfehlen.

 

Das besondere Chemnitzer Flair entdeckten in den letzten Jahren auch mehr und mehr Studenten. Die hiesige Universität zählt mit ihren über 20.000 Studierenden mittlerweile zu den beliebtesten in Mitteldeutschland...Solche, oder ähnlich lautende Berichte sind wohl der Traum für jedes Stadtmarketing.

 

Leider sieht die Chemnitzer Wirklichkeit anders aus. Andernorts schlendern an sonnigen Herbstwochenenden Einheimische und Auswärtige durch die Innenstädte. Andernorts trifft Man(n) oder Frau sich im Innenstadtkaffee, um nach einem guten Latte Macchiato entspannt durch die Geschäfte zu bummeln oder Kunst zu genießen. Anderswo wird Architektur als Sehenswürdigkeit bestaunt. Anderswo treibt´s das Volk am Wochenende auf die Plätze und Terrassen.

 

In Chemnitz sind die Einkaufstempel am Stadtrand meist übervoll. In der City werden dagegen die Bürgersteige hochgeklappt. Wenn es nach den Plänen der Verwaltung geht, bald auch noch mehr Freisitze der innerstädtischen Gastronomie.

 

Sorgte zuletzt noch die Absage an steigende Gebühren auf Terrassenplätze, für Aufatmen bei den letzten verbliebenen Citygastronomen, mag die aktuelle Mitteilung aus der Amtsstube wie Hohn klingen.

 

Unter der Überschrift „Richtigstellung der Berichterstattung zur Sondernutzung“ wird erklärt, dass durch ein technisches Versehen im Ratsinformationssystem versehentlich falsche Dateien veröffentlicht worden sind. Nichts da, die Gebühren steigen um 5,8% und liegen damit über denen am Dresdner Terrassenufer.

 

Der Böswillige könnte jetzt behaupten, der Blick auf Jahnsche Stararchitektur sei allemal mehr Wert als der Canalettos. Ich glaube aber eher, dass der darbende Chemnitzer Citywirt liebend gern mit seinem Dresdner Kollegen tauschen würde. Ich bin auch davon überzeugt, dass mit dieser Amtsposse nicht die wenigen großen Aussengastronomien schaden nehmen werden. Die können das vielleicht noch verkraften.

 

Schaden wird es den Kleinen. Den wenigen Eckkneipen und Kaffees. Die werden sich überlegen, ob sie nächsten Sommer noch einen Stuhl vor die Tür stellen. Ob damit mehr Gebühren im Stadtsäckel landen, möchte ich bezweifeln!

 

Mehr Flair für Chemnitz bringt dieser Amtsschimmel aber mit Sicherheit nicht.